Die Blaue Gedenkspur erinnert an eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte unserer Schule und der Stadt Kassel. Sie markiert den Weg vom Gelände der heutigen Arnold-Bode-Schule bis zum Kasseler Hauptbahnhof – jenen Weg, den jüdische Männer, Frauen und Kinder während der Zeit des Nationalsozialismus unter Zwang gehen mussten, bevor sie in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden. Als sichtbares Zeichen der Erinnerung verbindet die Gedenkspur historische Verantwortung mit dem Auftrag, das Gedenken an die Opfer wachzuhalten.
Im Schuljahr 2025/26 erneuerten die Klassen der Arnold-Bode-Schule die Schriftzüge mit den Namen der Lager, in die die Menschen von hier aus deportiert wurden. Die Klasse 11BÜA übernahm diese verantwortungsvolle Aufgabe ganz passend am 08. Mai 2026 – am Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa.
Mit einem von den Werkstätten der Arnold-Bode-Schule bereitgestellten Wagen, beladen mit Schablonen und weißer Farbe, zog die Klasse durch das Schillerviertel und erneuerte die verblassten Schriftzüge entlang der Blauen Gedenkspur auf dem vorgesehenen Abschnitt. Besonders an der stark frequentierten Kreuzung vor dem Hauptbahnhof stieß die Aktion auf großes Interesse. Immer wieder kamen Passantinnen und Passanten ins Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern, welche die Entstehung und Bedeutung der Blauen Gedenkspur engagiert erklärten.
Selbst zwei Polizeibeamten war die Geschichte der Gedenkspur zunächst nicht bekannt. Sie begegneten der Aktion anfangs mit großer Skepsis und stellten zahlreiche Fragen. Nachdem die Schülerinnen und Schüler mithilfe der Klassenlehrerin den historischen Hintergrund erläutert hatten, zeigten sich die Beamten jedoch überzeugt vom Sinn und der Bedeutung des Projekts.
Am Ende eines arbeitsreichen Mittags blickte die Klasse stolz auf ihr gemeinsames Werk zurück. Ein Klassenfoto mit dem Material-Wagen vor dem Hauptbahnhof bildete den gelungenen Abschluss.
Mit ihrem Einsatz leistete die 11BÜA wie auch alle anderen an der Aktion beteiligten Klassen der Arnold-Bode-Schule einen wichtigen Beitrag dazu, die Erinnerung an die Schicksale der deportierten jüdischen Menschen im Stadtbild sichtbar zu halten. Die Aktion machte deutlich, dass Erinnerungskultur nicht nur von der Vergangenheit erzählt, sondern auch heute vom Engagement junger Menschen lebt.
(Bilder & Text: Appel-Rinker)
